Joggen für die grauen Zellen
Sport hält das Gehirn fit – auch im Alter. Vermutet haben Neurobiologen und Sportwissenschaftler das schon seit langem. Bereits in den 1960er-Jahren leisteten Forscher der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln Pionierarbeit, als sie in Experimenten mit Tieren und Menschen beobachteten, wie gezieltes körperliches Training auch Einfluss auf die Gehirnfunktion hat.
Die körperliche Aktivität verbessert die Plastizität des Gehirns, auch im Alter, und kann mitunter das Fortschreiten von Demenz bremsen.
Kraftstoff für das Denkorgan
Unter körperlicher Belastung setzt der Körper eine ganze Reihe von Vorgängen in Bewegung:
- Die Durchblutung von bestimmten Regionen im Gehirn wird verstärkt. So gelangen im Blut befindliche Wachstumsfaktoren in die Nervenzellen.
- Dort werden bestimmte Nervenwachstumsfaktoren vermehrt gebildet. Sie sind Voraussetzung für ein langes Leben und einwandfreies Arbeiten der Nervenzellen.
- Auch die Anzahl der Synapsen – die Verbindungen der Nervenzellen untereinander – wird erhöht. Erst diese Zell- Brücken ermöglichen das Lernen und Merken.
Sport als Stimmungsaufheller
Doch regelmäßiger Sport verhilft nicht nur dem Denkorgan zu erhöhter Leistung. Körperliche Aktivität beeinflusst auch die Psyche bei einer Depression positiv. Ausdauertraining soll vermehrt körpereigene Opioide („Glückshormone“) sowie den Nervenbotenstoff Serotonin freisetzen. Von den Opioiden weiß man, dass sie in vielfältiger Weise die Psyche beeinflussen. Mit einem gezielten Ausdauertraining könnten möglicherweise Stimmungsveränderungen erreicht werden, die mit der Wirkung von Antidepressiva vergleichbar sind. Das muss in weiterführenden Studien aber noch überprüft werden.
Laufen statt sprinten
Ob als Therapie gegen Depressionen oder zum Erhalt und zur Steigerung der Gehirnleistung – wichtig ist, dass die richtigen Übungen gemacht werden. Gewichte heben oder ein 400-Meter-Sprint zum Beispiel fördert die Leistung des Denkorgans nicht. Vielmehr raten Experten zum „allgemeinen aeroben dynamischen Ausdauertraining“. Das heißt: Nicht mehr als ein Sechstel der gesamten Skelettmuskulatur darf beansprucht werden, und der Körper sollte immer genügend Sauerstoff durch die Atemluft bekommen. Besonders geeignet sind also leichtes Joggen, Radfahren oder Schwimmen.
Sport treiben ja, aber nur in Maßen
Doch man sollte es mit dem Sport nicht übertreiben. Im Gegensatz zu gut dosiertem körperlichen Training führen Überbelastungen von längerer Dauer zur Rückbildung von Dendriten. Dendriten sind Bestandteile von Nervenzellen und leiten die Nachrichten von einer Zelle an die andere weiter. Forscher haben an Ratten sogar beobachtet, wie zu viel körperliche Aktivität im Gehirn zu einer Rückbildung des Hippocampus (Organisator des Langzeitgedächtnisses) führte.