Jeder zweite Deutsche geht täglich weniger als 800 Meter ! Datum der Nachricht: 2004-02-16 09:00:00 Wenn keine Zigaretten mehr da sind, wird der Wagen
aus der Garage geholt. Zum Automaten sind es ja immerhin 600 Meter
... . Über die Treppe zum ersten Stock? Wozu gibt es denn einen Lift?
Und der früher übliche Sonntagsspaziergang ist in vielen Familien aus
dem Freizeitprogramm ersatzlos gestrichen. Dieser Lebensstil erklärt
teilweise die überraschende und zugleich erschreckende Zahl, die
Chefarzt Professor Dr. Ralph Haberl (48; Medizinische Abteilung I,
Krankenhaus München-Pasing), nennt: Jeder zweite Deutsche geht
täglich weniger als 800 Meter. Gesundheits-Alarm!
Denn unzureichende körperliche Bewegung ist neben Übergewicht und
Rauchen Mitursache für erhöhte Blutfette (Cholesterin), Bluthochdruck
und deren lebensgefährliche Folgen wie Arterienverkalkung,
Schlaganfall und Herzinfarkt.
Rund 120.000 Frauen und Männer erleiden laut Prof. Haberl in
Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Etwa 50.000 davon könnten
vor folgenschweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen und rund
13.000 sogar vor dem Tod bewahrt werden, wenn es gelingt, Blutdruck
und Cholesterin in den Normbereich zu bringen. "Runter mit den
Werten" heißt deshalb die konsequente Behand-lungsstrategie.
Idealwerte wie 120 mmHg (systolisch) und 80 mmHg (diastolisch) für
den Blutdruck sowie ein LDL-Cholesterinwert unter 100 mg/dl für
Patienten mit hohem Risiko sind aber nicht durch eine früher
vernachlässigte und nun plötzlich ausgeübte Bewegung, sondern häufig
nur mit Medikamenten zu erreichen.
Auf dem Gebiet der Cholesterinsenkung brachte die Entwicklung des
neuen Wirkstoffs Ezetimib (Handelsname: Ezetrol), der die
Cholesterinaufnahme aus dem Dünndarm hemmt, entscheidende
Fortschritte. Wird er gemeinsam mit einem Statin gegeben, das die
körpereigene Cholesterinpro-duktion in der Leber reduziert,
erreichten mehr als 70 Prozent aller Patienten die wünschenswerten
Cholesterin-"Zielwerte" (so das Ergebnis einer Studie der
amerikanischen "Ezetimibe Study Group"). Ein weiterer Vorteil: Mit 10
Milligramm Ezetimib und 10 Milligramm Simvastatin oder Atorvastatin
lässt sich eine vergleichbare Wirkung erzielen wie mit 80 mg des
Statins alleine. Diese niedrigen Dosen können das Risiko eventueller
Nebenwirkungen bei Einnahme hoher Statindosen deutlich reduzieren.
Zur Blutdrucksenkung stehen seit einiger Zeit so genannte
Angiotensin-II-Antagonisten zur Verfügung. In der LIFE-Studie, die
weltweit unter Wissenschaftlern für Furore sorgte, senkte die
Substanz Losartan bei Patienten mit Bluthochdruck und einer im EKG
sichtbaren Herzmuskelverdickung das Schlaganfall-Risiko um 25
Prozent gegenüber der Vergleichssubstanz Atenolol, die zu den
Betablockern zählt. Wirklich erfolgreich ist eine Therapie aber erst,
wenn Betroffene ihren Lebensstil ändern. Also: Gewichtsreduktion,
maßvoller Alkoholgenuss, viel körperliche Bewegung und keine
Zigaretten mehr.
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