Deutschlands Jugend ist unbeweglich und hockt lieber zu
Hause. als sich an der frischen Luft zu bewegen – so klagen die Gesundheitsexperten.
Übergewicht und mangelnde Koordinationsfähigkeit
werden immer häufiger schon bei Kindern im Grundschulalter festgestellt.
„Tatsächlich haben Kinder aber einen natürlichen Bewegungsdrang.
Eltern sollten ihn fördern und versuchen, ihren Kindern frühzeitig
Spaß an körperlicher Aktivität beizubringen“, sagt Dr. Barbara Marnach,
Ärztin beim AOK-Bundesverband. Viele Kinder im Schulalter finden Fernseher und Computer reizvoller als
körperliche Anstrengung.
Dazu kommt, dass Stadtkindern die Möglichkeit
fehlt, sich richtig austoben:
Der Spielplatz ist langweilig geworden,
auf der Straße ist Spielen zu gefährlich.„Sport kann eine Lösung sein:
Kinder,
die durch Schwimmen, Turnen oder Tanzen gefördert werden, sind
motorisch geschickter und zugleich unabhängiger und kontaktfreudiger
als andere. Außerdem sind sie motivierter beim Lernen“, erklärt Dr. Barbara
Marnach.
Das olympische Motto „Dabei sein ist alles“ steht dabei an erster Stelle.
Wichtig ist nicht in erster Linie,wer am schnellsten laufen kann oder wer
gewinnt,sondern,dass der Sport Spaß macht.„Daran sollten Eltern vor allem
denken,wenn sie die richtige Sportart für ihr Kind suchen.
Dass der
Vater früher erfolgreicher Mittelstürmer war oder die Mutter eine hervorragende
Leichtathletin und die Eltern für den Nachwuchs gerne die
gleiche Sportlerkarriere möchten, ist nebensächlich. Ein hoher Leistungsdruck
verdirbt Kindern schnell die Lust am Sport“,sagt Medizinerin
Marnach.
Neigungen unterstützen
Müssen die Kinder zum Training immer wieder gedrängt werden, kann
das ein Zeichen dafür sein, dass vielleicht eine andere Sportart geeigneter
wäre.„Fragen Sie auf jeden Fall zuerst Ihr Kind,wozu es Lust hat und
unterstützen Sie seine sportlichen Neigungen.Wenn es sich nicht sicher
ist, geben Sie ihm die Möglichkeit, verschiedene Sportarten auszuprobieren“,
empfiehlt Dr. Barbara Marnach. „Kinder sind schnell für die Sportart eines Freundes oder einer Freundin zu begeistern.Aus der Nähe
betrachtet ist der Reiz dann manchmal schnell verflogen. Lassen Sie Ihr
Kind deshalb mindestens dreimal zu einer Sportgruppe gehen, bevor Sie
es fest anmelden.
“ Warum also nicht Handball, Schwimmen und Ballett
nacheinander ausprobieren und sich dann erst entscheiden? Ausrüstung erst ausleihen
Teure Ausrüstung sollte in der Probephase nur ausgeliehen werden.Viele
Vereine bieten verschiedene Sportarten an; im Mitgliedsbeitrag ist
meistens die Teilnahmeberechtigung an allen enthalten.Angebote in der
Nähe der Wohnung erleichtern den später meist notwendigen Fahrdienst
zum Training.
Misserfolge und Hänseleien verderben vielen Kindern den Spaß an der
Bewegung. Dr. Barbara Marnach:„Wenn ein Kind zu oft beim Sport ausgelacht
wurde, zieht es sich von der Gruppe zurück und verliert die Freude
an der Bewegung. Eltern sollten versuchen, den genauen Grund für
den Rückzug herauszufinden.“ Gemeinsame Aktivitäten können das angeknackste
Selbstbewusstsein wieder aufbauen:
Ein Fahrradausflug, eine
Runde Inline-Skating oder gemeinsame Ballspiele mit der Familie am
Wochenende sind gut geeignet, um die Kinder neu zu motivieren.
Welcher Sport eignet sich für wen?
- Radfahren:
Schon ab 4 Jahren können Kinder Radfahren lernen. Ohne ausreichende Verkehrserziehung sollten sie aber nicht am Straßenverkehr teilnehmen – schon gar nicht ohne Aufsicht der Erwachsenen. Radfahren trainiert die Ausdauer und Koordination, schont die Gelenke.
- Leichtathletik:
Laufen, Springen und Werfen erlernen Kinder von klein auf. Im Verein üben sie Disziplin und sammeln Wettkampferfahrung.
- Turnen:
Viele Bewegungsmöglichkeiten an unterschiedlichen Geräten Konzentrationsfähigkeit und Körpergefühl werden geschult. Geeignet für Kinder ab 5 Jahren.
- Fußball:
Schult bei Mädchen und Jungen Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination. Das Gefühl für die Gruppe wird gestärkt. Ab circa 6 Jahren kann das Training losgehen.
- Handball:
Trainiert werden vor allem Muskulatur, Koordination, Kraft und Kondition. Für Kinder ab 6 Jahren.
- Basket- und Volleyball:
Beide Ballsportarten stärken wie die meisten Mannschaftssportarten das Gefühl für Teamgeist. Schnelligkeit, Konzentration und Geschicklichkeit werden für diese schnellen Ballsportarten unbedingt gebraucht. Kinder ab 8 Jahren können Basket- oder Volleyball spielen.
- Reiten:
Vor allem bei Mädchen sind Pferde sehr beliebt. Durch Reiten werden die Sinne entwickelt, Kinder lernen soziales Verhalten und sie lernen, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem stärkt der Umgang mit Pferden das Selbstbewusstsein. Der gesamte Bewegungsapparat wird trainiert, Haltungsschäden vorgebeugt. Nachteil: Hohe Kosten, Reitställe liegen oft außerhalb. Für Kinder ab etwa 6 Jahren.
- Tennis:
Ab 5 Jahren können Kinder durch Tennis ihre Kondition, Koordination und Gelenkigkeit verbessern. Wie bei allen Sportarten gilt auch dabei: Nicht zu verbissen trainieren und Überbelastungen vermeiden.
- Schwimmen:
Eine der besten Sportarten, um Herz- und Kreislauf zu trainieren. Ein erstes Gefühl bekommen Kinder beim Babyschwimmen oder in Wassergewöhnungskursen ab 4 Jahren; Schwimmen lernen sie meistens ab dem Grundschulalter.
- Inlineskating:
Geeignet für Kinder ab sechs Jahren. Ganz wichtig: Immer nur mit Gelenkschützern und Helm loslaufen, Grundtechniken und Bremsen am besten in einem Kurs lernen.
- Tanzen:
Ballett, Jazztanz oder Breakdance – wichtig ist ein guter Unterricht. Neben dem Lernen von Positionen und Figuren sollten die Kinder die Möglichkeit zu freier und kreativer Bewegung haben. Für Kinder ab 4 Jahren.
- Judo:
Schon Kinder ab 5 Jahren trainieren den „sanften Weg“ (Judo). Geübt werden Schnelligkeit und Gelenkigkeit. Auch Selbstvertrauen und Körperhaltung werden besser.
- Skifahren:
Frische Luft und Schnee sind bei Kindern sehr beliebt. Schon ab 4 Jahren möglich. Nachteil: Saisonabhängig und nicht ganz billig.
Mehr Informationen in den Broschüren aus der Reihe AOK-Familienprogramm:
„Sport für Kinder: Anstoß“ und „Sport und Bewegung: Gemeinsam fit.“
Bewegungstipps für die ganze Familie gibt es bei der AOK im Internet unter
www.jolinchen.de
Quelle: AOK